Anspannung und Entspannung
An- und Entspannung sind im Wechsel
natürliche und notwendige Zustände
unseres Organismus,
wenn wir Leistung erbringen
und uns anschließend erholen.
Wesentlich ist, dass
beides in hinreichendem Maße stattfindet.
In Schule, Aus- und Weiterbildung haben wir Wissen und Fähigkeiten erworben, um insbesondere in der Arbeitswelt und der Familie die gestellten Aufgaben erfüllen zu können. Wie wir die notwendige Erholung und Regeneration sinnvoll und effektiv bewerkstelligen, haben wir dort leider nicht gelernt. Aber dieses Wissen und Können sind für unsere physische und psychische Gesundheit ebenso von elementarer Bedeutung.
Ein kurzer Blick in die biologische Stresstheorie *) macht die besondere Bedeutung der Entspannungs-phasen für die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefin-den unseres Organismus deutlich.
Zur Bezeichnung intensiver, manchmal auch andau-ernder Anspannung benutzen wir in der Regel den Begriff „Stress“, den wir beschreiben können als
Reaktion unseres Organismus auf
physische, psychische oder infektiöse Belastungen.
Entsteht für unseren Organismus der Eindruck, dass auf eine herausfordernde Situation eine Anpassungsleis-tung erforderlich ist, werden über das Vegetative Ner-vensystem (VNS) - im Prinzip von unserem Willen un-abhängig - folgende Leistungs-Prozesse in Gang gesetzt (hier auf das Wesentliche reduziert):
- Die Stoffwechselvorgänge werden drastisch redu-ziert und der „Sympathikus“ genannte Teil des VNS bewirkt eine Bereitstellung von Energiereserven und eine Aktivitätssteigerung.
- Er initiiert die Produktion von Stresshormonen und in der Folge
- wird unsere Muskulatur angespannt,
- Atmung und Herzschlag werden beschleunigt,
- der Blutdruck steigt,
- Bronchien und Pupillen weiten sich,
- Verdauung und Sexualität werden reduziert und
- die Gehirnaktivität wird vor allem auf die zu bewäl-tigende Aufgabe fokussiert …
Dieses sehr positive und lebensrettende Reaktions-muster ist in unserer Evolutionsgeschichte entstanden. Mit ihm stehen uns bei Herausforderungen oder gar Bedrohungssituationen die zur Bewältigung nötigen Energien automatisch und blitzschnell zur Verfügung. Ist die Situation bereinigt, können wir uns entspannen und erholen.
Der hierauf ausgerichtete und „Parasympathikus“ genannte Teil des VNS
- initiiert die Entspannung der Muskulatur,
- senkt Atmungsfrequenz, Herzschlag und Blutdruck,
- weitet die Gehirnaktivität,
- entspannt Bronchien und Pupillen,
- aktiviert Sexualität und Verdauung …
Die Energiereserven werden aufgefüllt und der Organis-mus schaltet wieder um in den Normalzustand.
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*) siehe z.B. den Begründer dieser
Forschungsrichtung
- - Selye, H. (1953), Einführung in die Lehre vom Adaptationssyndrom, Thieme, Stuttgart
- - Selye, H. (1981), Geschichte und Grundzüge des Stresskonzepts. In: Nitsch, J.R. (Hrsg.) Stress. Theorien, Untersuchungen, Maßnahmen, Bern
Dauert die Stresssituation
(ob tatsächlich oder nur in unserer Vorstellung)
aber lange an oder wird sie sogar chronisch,
bedeutet dies:
Unser Organismus läuft über einen längeren Zeitraum oder gar permanent auf Hochtouren. Es fehlen die notwendigen Phasen der Ruhe und Regeneration.
Wenn wir nicht gegensteuern, werden wir so zu immer schlechteren Schwimmern im Fluss des Lebens. **) Unsere Reserven schwinden, unsere Gesundheit leidet oft sehr empfindlich darunter, ebenso soziale Kontakte, Lebensqualität und Selbst(wert)gefühl.
Es können Beschwerden und Krankheitsbilder entste-hen oder verstärkt werden, für die im Sinne der tradi-tionellen Schulmedizin oft keine eindeutige ärztliche Diagnose gestellt werden kann., z.B.: ***)
- Schmerzen in Muskulatur und Knochen,
- Herz-Kreislauf-Beschwerden,
- Verdauungsprobleme,
- Immunschwäche,
- (Ein-)Schlafstörungen,
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme,
- psychische Probleme,
- Gereiztheit und Schmerzüberempfindlichkeit,
- eingeschränkte Sexualfunktion,
- Antriebsschwäche …
bis hin zu Burnout oder gar Herzinfarkt.
Wir sollten deshalb unbedingt für Stressausgleich sor-gen, unsere psychische und körperliche Regeneration stärken und so selbst das für unsere Gesundheit und für ein positives Lebensgefühl Notwendige bereitstellen. Wenn bereits Beschwerden vorhanden sind, unterstüt-zen die Entspannungsübungen sehr positiv den Gesun-dungsprozess.
Mit Blick auf den beschriebenen Stressablauf
initiieren die Entspannungsmethoden
die fehlenden, aber notwendigen
Ruhe- und Regenerationsphasen.
Obwohl unser VNS im Prinzip unserer direkten willent-lichen Kontrolle entzogen ist, sind wir in der Lage, es über Einwirkungen auf das „willkürliche“ (steuerbare) Nervensystem in seiner Arbeit bewusst zu beein-flussen.
- Durch die Entspannungsübungen versetzen Sie willentlich Ihren Organismus in den Zustand der Ruhe und Erholung und initiieren die Umschaltung des VNS auf den Parasympathikus.
- Ihr Organismus erhält die für Ihre Gesundheit drin-gend notwendige Pause und Ruhe und regeneriert sich in diesem Zustand selbst.
- Sie empfinden ein wohliges Gefühl von Entspannung und Gelassenheit und gewinnen Zuversicht, Energie und Lebensfreude (zurück).
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**) siehe hierzu die Seite
"Konzept von tre-do“
***) siehe z.B. die Stressstudie der tk aus
2016:
https://www.krankenkassenzentrale.de/magazin/studie-der-tk-so-gestresst-sind-die-deutschen-2924#
oder auch
https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/stress/stressreaktionen-4322
bzw.
https://www.krankenkassenzentrale.de/wiki/stress#